Zeitenschmiede

Zeitenschmiede 

Historischer Roman

Die Geschichte einer Schmiedefamilie in bewegten Zeiten. Ein Roman über Heimat, Liebe, Flucht und den unverwüstlichen Glauben an die Zukunft.

Düren 1939: Mina ist auf der Flucht. Sie kommt mit falschem Namen bei ihren bis dahin unbekannten Verwandten – der Schmiedefamilie Hansen – unter. Im Verborgenen sucht sie nach ihrem Vater und stößt dabei auf ein Familiengeheimnis, dessen Geschichte bis ins Jahr 1889 zurückgeht. Währenddessen bricht der Zweite Weltkrieg aus und droht die Familie auseinanderzureißen.

 

Ostpreußen 1944: Der Krieg ist nun auch in dem masurischen Dorf Steintal spürbar. Wehrmachtssoldaten werden in den Häusern einquartiert, darunter ein Sohn der Familie Hansen. Er verliebt sich in Liesel, doch das junge Paar wird getrennt, als die russische Frontlinie näher rückt. Kurze Zeit später muss Liesel flüchten.

Nicht nur für sie beginnt ein Überlebenskampf, der bis in die Nachkriegszeit hineinreicht.

 

Ein spannender Roman, basierend auf wahren Begebenheiten. Tragisch, emotional und fesselnd.

Zeitenschmiede

Leseproben

Samstag, 29. Juli 1939 – Mina


Alle Muskeln meines Körpers sind angespannt. Falls ich verfolgt und entdeckt
werde, muss ich fliehen. Doch hier im Zug säße ich in der Falle. Ich atme tief
durch und versuche, meinen rasenden Puls zu beruhigen. Ich sehe hinaus, nehme
jedoch nichts von der vorbeifliegenden Landschaft wahr. Aufmerksam beobachte
ich die Spiegelung der Fahrgäste im Fenster. Als wir die Stadt verlassen und nur
noch die Felder mit Korngarben zu sehen sind, wage ich einen Blick ins Abteil.
Nichts Auffälliges; keine Uniformen oder Ledermäntel. Meine Hände zittern immer
noch. Ich verberge sie in meiner Manteltasche.

  Es ist eigentlich nicht mein Mantel. Er gehörte meiner Mutter. Ihr Parfum haftet noch am Kragen. Die Erinnerung an sie ist zu schmerzhaft, und ich versuche, an etwas anderes zu denken. Meine Hand ertastet das Foto und ich ziehe es aus der Tasche. Immer wieder habe ich es mir angesehen, seitdem ich es in ihrer Nachtkommode gefunden habe. Sie hatte es gut vor mir versteckt. Dem abgenutzten Zustand nach zu urteilen, muss sie das Foto oft in der Hand gehabt haben.
  Mit dem Daumen fahre ich über die Prägung am rechten unteren Bildrand: ‚R.
Ophoven, Düren‘. Deshalb sitze ich in diesem und nicht in einem anderen Zug.
Das Ziel ist Düren – eine unbekannte Stadt für mich, jedoch die Heimat meiner
einzigen Familienangehörigen. Leider kenne ich sie nicht, genau wie meinen Vater.
Ich weiß nur, dass er aus Düren kam.

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  Die Waggontür öffnet sich quietschend. Nervös sehe ich auf und werfe einen unauffälligen Blick auf die Neuankömmlinge. Eine junge Frau mit Pelzkragen betritt das Abteil. Ihr Begleiter trägt eine Uniform. Das ist nicht ungewöhnlich, doch ich bleibe wachsam und beobachte ihn aus den Augenwinkeln. Ein paar Sitze weiternimmt das Paar Platz. Er scheint niemanden zu suchen, denn ich höre, wie sie beide ausgelassen lachen. 

  Ich ärgere mich über meine Dummheit. Wieso war ich so unvorsichtig und habe mein Tagebuch liegen gelassen? Ich könnte es damit entschuldigen, dass ich8zu meiner sterbenden Mutter geeilt bin und natürlich auf der Arbeit alles liegenließ, ohne über die Konsequenzen nachzudenken. Und als ich wieder kam, sah mich das Parteiliebchen, das mich sowieso auf dem Kieker hatte, triumphierend an. In der Hand meine Kladde. Ausgerechnet dieses Buch für jedermann einsehbar liegen zu lassen, war mehr  als dumm.

  Ich weiß sehr gut, was passiert, wenn man sich derart abwertend wie ich über den Führer und seine Schergen äußert – und das auch noch schriftlich. Ich habe es mit eigenen Augen gesehen. Die Bilder verfolgen mich in meinen Träumen: Wie sie unseren Nachbarn aus der Wohnung zerrten, die Treppe hinunterprügelten, ihn ins Auto traten. Wir haben ihn nie wiedergesehen. Seine Wohnung wurde kurz danach von der Gestapo ausgeräumt. 

  Der Mann in Uniform steht auf. Ich bemühe mich, ihn nicht anzustarren, und blicke stattdessen so gelassen wie möglich aus dem Fenster. Ich sehe seine Spiegelung auf mich zu kommen. Mein Herz rast und ich bin bereit aufzuspringen, als der Soldat vor mir stehen bleibt.

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Samstag, 20. Januar 1945 – Ostpreußen

„Liesel!“ Jemand hämmerte panisch an der Haustür. „Mach auf!“

  Liesel rieb sich die Augen. Sie war anscheinend im Sitzen eingeschlafen – in Mantel und Schuhen. Unter ihren Filzstiefeln hatte der geschmolzene Schnee eine Pfütze gebildet.

  Wieder das laute Hämmern. Es dauerte eine Weile, bis sie sich wieder daran erinnerte, was passiert war. Sie sprang auf, schwankte durch die Dunkelheit zur

Tür und öffnete. Frieda stand vor ihr. Das blonde Haar war von einer dicken Wollmütze verdeckt. Ihre Augen waren vor Schreck geweitet.

  „Liesel, pack die Sachen. Der Russe ist nicht mehr weit!“

  Jetzt bemerkte sie das hektische Treiben im Hintergrund. Menschen eilten an ihrem Haus vorbei, viele mit Koffern bepackt oder Handwagen, die durch den Schnee geschleift wurden. Trotz der Dunkelheit waren sie in der reflektierenden Schneelandschaft gut zu erkennen. Liesel hörte das Klappern von Panjewagen und Wiehern der Zugpferde, das vom Ortsrand herüberschallte.

  „Mach schon! Die Gudats fahren jetzt. Wir können mit auf den Wagen.“

  Liesels Herz setzte einen Schlag aus. Jetzt war es tatsächlich so weit: Die Russen waren durchgebrochen. Nachbarn und Bekannte flohen. Im tiefsten, eisigen Winter. Es gab keinen Räumungsbefehl – das ergab keinen Sinn. Ihre Traumwelt zerbrach. Eine bleierne Schwere nahm von ihr Besitz. Sie schwankte.

Inoffizieller Buchtrailer zum historischen Roman ZEITENSCHMIEDE

Der Lochhof in Reifferscheid (Eifel), 1911

Das Anwesen der Familie Dahmen.

Hier wuchsen Lena und Alo Dahmen auf. Im Hintergrund ist die Burgruine von Reifferscheid zu sehen. 1944 floh die Familie Hansen von Düren nach Reifferscheid in einen leerstehenden Westwall-Bunker und erlebte 1945 den Einmarsch der Amerikaner. 

(Gemälde von Hages)

Die Schmiede in Düren, 1920

Das Anwesen der Familie Hansen in Düren.

Links befindet sich die Schmiede, die später zu Wohnraum (Kaminzimmer) umgebaut wurde. Rechts ist der Werkstattanbau zu sehen. 

(Foto: Familienarchiv Hages)

Der Wasserturm auf dem Kölnplatz in Düren, 1910

"Sie standen vor den Umfassungsmauern in der Menschenmasse und warteten. Als es vollends dunkel war, erloschen die Lichter, und die Kapelle, die sich neben der Anlage aufgestellt hatte, begann zu spielen. Passend zu Paukenschlägen und Streichmusik setzte ein Schauspiel der Leuchtfontänen ein. In allen Farben schillerten die Kaskaden, die vom Sockel des Turms in mehreren Stufen ins Wasserbecken fielen. Wasserstrahlen schossen in die Höhe und lautes "Ahhh" und "Ohhh" raunte durch die Menschenmenge."

(Foto: Stadt- und Kreisarchiv Düren, Bildarchiv 4, Kölnplatz 7)

Das Dorf Steintal in Ostpreußen, vor 1945

"Als Liesel und Hans das Wirtshaus verließen, atmeten sie tief die warme Abendluft ein. Zusammen gingen sie die kopfsteingepflasterte Dorfstraße entlang, vorbei an hölzernen Scheunen und Häusern mit roten Ziegeldächern. Dabei mussten sie schnatternden, weiß gefiederten Gänsen ausweichen, die überall frei herumliefen. Der Wind hatte aufgefrischt und die Sonne ging langsam unter, als sie auf einen sandigen Weg abbogen, der hinter Liesels Haus ins Feld führte. Am Ende des Pfades stand eine kleine Windmühle, die auf einem leuchtend roten Meer zu schwimmen schien. Das ganze Feld bestand aus wogendem Klatschmohn." 

(Foto: Familienarchiv Hages)

Die Kölnstraße in Düren, 1889

Kölnstraße 2.jpg

"Laufburschen und Hausmädchen mit Beuteln und Körben eilten über die Straße und sprangen dabei über ein kleines Bächlein, das rechts und links des Weges entlang floss, sodass die Fahrbahn vom Fußgängerweg getrennt war. In regelmäßigen Abständen waren schmale Bretter wie Brücken über den Bach gelegt, damit die Leute trockenen Fußes die Straße überqueren konnten."

(Foto: Stadt- und Kreisarchiv Düren, Bildarchiv 4, Kölnstraße 2)

25. August 2021

Markus‘ Mittwoch Manuskript Meeting mit Judith Hages (Autorininterview)

https://blog.mattzick.net/2021/08/markus-mittwoch-manuskript-meeting-mit-judith-hages-autorininterview/

Erstkontakte auf Social Media kommen oft über ein einfaches „Like“, manchmal einen Kommentar und hin und wieder freundliche PM. Kurz nach der Veröffentlichung des ersten Bands bekam ich eine sehr freundliche Nachricht von Judith Hages, was mich dann dazu brachte ihr Instagram Profil anzuschauen. Sie hat einen historischen Roman geschrieben, der von der Kaiserzeit bis kurz nach dem Zweiten Weltkrieg spielt. Gekauft, gelesen, begeistert. Zeitenschmiede spielt in Düren und in der Eifel und dreht sich um eine Schmiedefamilie.

MARKUS: Hallo, danke, dass du dir die Zeit für die Fragen nimmst.

JUDITH: Hallo Markus, danke, dass ich hier mitmachen kann. Ich habe deine anderen Autoreninterviews (und natürlich alle anderen Posts) immer verfolgt und habe mich total gefreut, als du mich angesprochen hast.

MARKUS: Wie hat deine Familie auf deinen Roman reagiert?

JUDITH: Die Familie war begeistert. Meine Mutter ist immer Erstleserin meiner Geschichten. Sie und mein Partner haben mich ständig ermutigt, weiterzumachen.

MARKUS: Erzähl uns bitte kurz von deinem Brotjob und wie er dir beim Schreiben geholfen hat.

JUDITH: Ich arbeite seit 16 Jahren als Archivarin. Die Recherche gehört dabei zum Handwerk, was mir beim Schreiben des historischen Romans sehr geholfen hat. Außerdem entwickelt man in diesem Beruf irgendwann ein gewisses Verständnis für historische Zusammenhänge und Hintergründe.

MARKUS: Du hast die 20er Jahre nur am Rande behandelt. Wie bist du bei der Auswahl der Kapitel vorgegangen? Wolltest du eine bestimmte Romanlänge nicht überschreiten?

JUDITH: Ursprünglich war geplant, dass ich die „Geschichte in der Geschichte“ über Heinrich und Anna weiter ausführe. Doch dies hätte vom eigentlichen Thema – die Schmiedefamilie – abgelenkt. Ich wollte den roten Faden nicht verlieren. Außerdem habe ich mir so die Möglichkeit offen gehalten, einen Roman mit schon bekannten Figuren zu entwerfen.

MARKUS: Welche Phase vom Entwurf schreiben, bis zur Veröffentlichung hat dir am meisten Spaß gemacht?

JUDITH: Am meisten Spaß hat mir das Schreiben selbst gemacht – wenn man so richtig im Flow ist, die Sätze nur so herausfließen und man nicht merkt, dass bereits sieben Stunden vergangen sind.

MARKUS: Was kannst du zu deinem aktuellen Projekt erzählen?

JUDITH: An meinem aktuellen Projekt arbeite ich seit November 2020. Da es ein anderes Genre ist, werde ich den Roman (hoffentlich bis Ende Dezember) unter einem anderen Autoren-Namen veröffentlichen. Aber Ideen für einen weiteren historischen Roman sind bereits da.

MARKUS: Welches Buch hättest du gerne selbst geschrieben?

JUDITH: The Stand von Stephen King.

MARKUS: Hast du Schreibroutinen? Wie planst du deine Schreibzeit mit Familie und anderen Hobbies?

JUDITH: Ich stehe jeden Morgen um 5 Uhr auf, mache mir Kaffee, lasse die Vögel aus dem Käfig und schreibe mindestens eine Stunde lang an meinem Projekt. Auf dieses Schreibritual verzichte ich ungern.
Die Familie weiß mittlerweile, dass es schon mal Zeiten gibt, an denen ich nicht ansprechbar bin, weil ich schreibe oder irgendetwas überarbeite. Leider habe ich kaum noch Zeit für andere Hobbys wie Joggen.

MARKUS: Hast du einen festen Schreibplatz?

JUDITH: Ich sitze immer in meiner sogenannten „Flow-Ecke“ (Eck-Sofa) im Wohnzimmer, während meine Bourkesittiche herumfliegen.
Meinen historischen Roman „Zeitenschmiede“ habe ich jedoch am Schreibtisch geschrieben, der damals noch im Wohnzimmer stand.

MARKUS: Mit der Hand? Schreibmaschine oder Computer?

JUDITH: Notizen und Entwürfe mit der Hand. Ansonsten immer am Laptop mithilfe einer Autoren-Software.

MARKUS: Schreibst du mit Musik oder muss es still sein? Falls mit: welche?

JUDITH: Musik bringt mich beim Schreiben aus dem Rhythmus. Lese ich das Geschriebene nachher ohne Musik durch, merke ich, dass der Lesefluss ins Stocken gerät. Aber zur Einstimmung oder zur Ideenfindung höre ich schon mal vor dem Schreiben Musik. Meistens Klassik, Filmmusik. Ansonsten muss es still sein (bis auf das Piepsen der Vögel). Bei zu viel Lärm hilft auch schon mal ein Noise Cancelling Kopfhörer oder gute Ohrstöpsel. Dann kann ich auch im Café schreiben.

MARKUS: E-Book oder eines aus Papier?

JUDITH: Ich habe es wirklich mit E-Books versucht, aber ich bin irgendwie altmodisch und brauche Papier und das Umblättern. Und vor allem den Geruch! Ich gebe zu: Ich muss an jedem Buch schnuppern.

MARKUS: Welches Buch hast du als Letztes gelesen?

JUDITH: Ich lese oft mehrere Bücher (verschiedene Genres) parallel. Momentan lese ich „Das grüne Symbol“ von Christina Marie Huhn, „Knollenland“ von Herbert Pelzer, „In einem andern Land“ von Ernest Hemingway und natürlich dein Buch „Ohne Strom“, Band 1.

MARKUS: Welches Buch hast du nicht fertig gelesen?

JUDITH: Ich zwinge mich, jedes Buch fertig zu lesen, auch wenn es mir ab und zu schwerfällt. Ich denke immer daran, dass der Autor eine Menge Zeit, Geld und Herzblut hineingesteckt hat – egal, ob mir der Text gefällt oder nicht.

MARKUS: Abschließende Worte?

JUDITH: Vielen Dank, dass du hier eine Plattform für Autoren geschaffen hast. Den Austausch untereinander finde ich sehr spannend und hilfreich. Wir sitzen ja alle „im selben Boot“.

https://blog.mattzick.net/